Artikel über meine Hynose-Arbeit in der Südwestpresse

 

Showhypnose finde ich nicht gut“, sagt Hilde Herberth: Bühnenshows, bei denen Menschen in Trance versetzt werden  und ihren Namen vergessen, in saure Zitronen beißen oder gar wie ein Kaninchen herum springen. „Das liefert ein völlig falsches Bild“, sagt die kleine, zierliche Frau mit dem aufgeweckten Blick.

 

Ausbildung zur Mentaltrainerin

Bei einer solchen Show sucht der Hypnotiseur mit gezielten Tests die Menschen aus, die sowieso „hoch suggestibel“ sind, sagt sie. Suggestibilität nennt man die Anfälligkeit für die Übernahme von induzierten Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen oder Vorstellungen. Also vereinfacht gesagt: Menschen, die leicht zu beeinflussen sind.

Hypnose galt lange Zeit als schlechter Zaubertrick. Heute wenden Tausende Ärzte Hypnotherapie an – bei Zahnwurzelbehandlungen, Schmerz- und Psychotherapie. Manchmal merken es die Patienten nicht einmal.

Hilde Herberth ist 46 Jahre alt und gelernte Technische Zeichnerin. Vor fünf Jahren hat sie eine Ausbildung zur Mentaltrainerin gemacht. Eine Scheidung und weitere persönliche Tiefschläge hatten dazu beigetragen, dass sie sich selber besser verstehen wollte, sagt sie. „Hypnose fand ich da noch gruslig.“

 

Hypnose ist wie ein Tagtraum

Das finde ich allerdings auch, muss ich vor ihr zugeben. Hilde Herberth sagt, dass viele Menschen nur die Bilder von Showhypnosen kennen und sich davon verunsichern lassen. Nachdem sie ausgebildete Mentaltrainerin war, lies sie sich auch auf diesem Feld schulen. Die 46-Jährige versucht zu erklären, was sie gleich mit mir vorhat: „Hypnose ist wie ein Tagtraum. Du würdest beispielsweise niemals jemanden töten. Ich kann dich zu nichts bewegen, was komplett gegen deine Werte verstößt.“

Hilde Herberth fordert mich auf, aufzustehen und betrachtet meine Statur. „Eine Mischung aus Dirigent und Oralchen.“ Heißt? „Es muss meistens so laufen, wie du willst, aber das nicht unbedingt im schlechten Sinn. Aber wenn es nicht so läuft, dann jammerst du auch mal gerne.“ Volltreffer. Besondere Menschenkenntnis oder eine so vage gehaltene Beschreibung, dass irgendetwas schon zutrifft? „Es geht hier ganz stark um Sympathie und um Vertrauen“, sagt Hilde Herberth. „Auch der beste Psychologe kann dir beispielsweise nicht helfen, wenn du ihm nicht vertraust.“ Die erste Einschätzung hilft Hilde Herberth, die richtige Methode zu finden, wie sie mich in meinen Tagtraum versetzen kann. Dirigenten beispielsweise sind schwer zu hypnotisieren, erzählt sie weiter. Die wollen immer die Oberhand behalten.

 

Drei Sitzungen sind nötig beim Abnehmen

Herberth führt mich in ihr Behandlungszimmer: einen großen, hellen Raum, mit angenehm bunt gestrichenen Wänden. Die Liege ist gemütlich, die Decke kuschelig, die Musik leise. Könnte man fast einschlafen. Hilde Herberth lacht: „Manche schnarchen sogar bei der Hypnose. Die wecke ich dann kurz auf.“ Andere weinen, sagt sie. In Trance falle oft die Anspannung ab. Wenn Menschen abnehmen wollen, kommen sie zu ihr. Oder wenn sie aufhören wollen, zu rauchen, wenn sie Trennungsschmerz haben, Prüfungsängste oder generell Stress. Mit den Abnehmwilligen gehe sie im Tagtraum beispielsweise einkaufen. Dann werden alle Lebensmittel im Gedanken angeschaut, angefasst und kategorisiert. Drei Sitzungen sind nötig, sagt sie, dann müssen sich die Kunden das ganze daheim noch weitere 21 Mal anhören. Und dann sollte es so verinnerlicht sein, dass ungesunde Lebensmittel tatsächlich weniger Anziehungskraft haben.

Die Stunde kostet bei Hilde Herberth 80 Euro. Eine kleine Recherche im Internet zeigt: Das ist tatsächlich am unteren Rand der Preisspanne. Mit mir will Hilde Herbert eine Entspannungs-Hypnose machen. Ich schließe die Augen und sie beginnt mit sanfter Stimme zu erzählen: „Stell dir vor, du stehst in einem Hochhaus…“ Ich fahre gedanklich in den Keller, finde ein gemütliches Wohnzimmer, setze mich in einen kuscheligen Sessel. 20 Minuten dauert die Reise – und nach ein paar angespannten Minuten sinkt mein Körper entspannt in den Sessel. Die Arme und Hände kribbeln, wie kurz vor dem Einschlafen. Ich weiß auf der einen Seite noch genau wo ich bin, bin auf der anderen Seite aber ganz abwesend.

Sachliche und ganz nüchterne Menschen kommen selten zur Hypnose“, sagt Hilde Herberth, nachdem sie mich wieder aufgeweckt hat. „Man muss schon daran glauben und darauf vertrauen.“ Außerdem sind es mehr Frauen als Männer, die ihre Hilfe suchen. War ich nun also hypnotisiert? Das kann mir wohl niemand eindeutig sagen – aber es war zumindest genau das, was mir die 46-Jährige im Voraus beschrieben hat.

Info „Mittendrin“ heißt die Artikelserie, in der wir in lockerer Reihenfolge in fremde Welten eintauchen.

1 Kommentar

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    Heute war ich bei Frau Herberth zur Hypnose.Ich ging voller Vorfreude und große Erwartungen hin.Frau Herberth führte mich ganz langsam bei einem Vorgespräch in die Hypnose ein,und erklärte mir Schritt für Schritt wie Sie es macht.Ich fühlte mich sehr wohl in Ihrem Behandlungsraum und war die Ruhe selbst.Sie ist sehr professionel vorgegangen und beginnte sanft mit der Hypnose.Ich wurde immer ruhiger und gelassener.Die ganze Zeit über konnte ich Ihre beruhigende Stimme hören und konnte voll drauf ein gehen.Ein ganz großes Danke schön an dieser Stelle an Frau Hilberth und gebe dieses Feedback gerne an interessierte Menschen weiter.

    LG W.Krumm

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